- Vorsorge
Welche Vorsorgeuntersuchungen stehen Männern zu?
Prostatakrebs, Bauchaortenaneurysma, Darmkrebs – manche Erkrankungen treffen Männer häufiger oder ausschließlich. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt gezielte Vorsorgeuntersuchungen. Lies hier, welche das sind und ab wann du Anspruch darauf hast.
Männer gehen zu wenig zur Vorsorge
Mehr als die Hälfte aller Männer in Deutschland war in den vergangenen zehn Jahren gar nicht oder nur sehr selten bei einer Krebsfrüherkennungsuntersuchung. Das zeigt eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Besonders auffällig: Bei Männern unter 60 Jahren gehen gerade einmal 28 Prozent gelegentlich zur Krebsvorsorge, 40 Prozent meiden sie vollständig. Mit steigendem Alter nimmt die Bereitschaft zwar zu, doch selbst bei den über 80-Jährigen verzichtet noch jeder Vierte auf jede Form der Früherkennung.
Dabei ist frühzeitiges Erkennen oft der entscheidende Faktor: Viele der Erkrankungen, die Vorsorgeuntersuchungen aufdecken sollen, verlaufen im Frühstadium symptomlos. Wer wartet, bis etwas spürbar ist, verliert wertvolle Zeit.
Welche Vorsorgeuntersuchungen gibt es für Männer?
Alle im Folgenden beschriebenen Untersuchungen sind Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen – du zahlst also keinen Eigenanteil. Einige gelten für Männer und Frauen gleichermaßen, andere sind ausschließlich für Männer vorgesehen. Hier ist ein Überblick:
| Ab welchem Alter | Untersuchungen | Wie oft |
| ab 18 Jahren | Gesundheits-Check-up beim Hausarzt | einmalig |
| ab 35 Jahren | Gesundheits-Check-up beim Hausarzt | alle 3 Jahre |
| ab 18 bzw. 35 Jahren | Hautkrebs-Screening (AOK RH/HH bereits ab 18) | alle 2 Jahre |
| ab 45 Jahren | Prostatakrebs-Früherkennung beim Urologen | jährlich |
| ab 50 Jahren | Darmkrebsfrüherkennung (Stuhltest oder Koloskopie) | siehe Text |
| ab 65 Jahren | Früherkennung Bauchaortenaneurysma | einmalig |
| ab 50 bis 75 Jahren | Niedrigdosis-Computertomographie der Lunge bei Stark-Rauchern | jährlich bei unauffälligem Befund |
Was hinter den einzelnen Untersuchungen steckt und was dich dabei erwartet, erklären die folgenden Abschnitte.
Was passiert beim Gesundheits-Check-up?
Der Gesundheits-Check-up ist keine Behandlung, sondern eine Bestandsaufnahme: Wie ist dein aktueller Gesundheitszustand, welche Risikofaktoren gibt es, gibt es familiäre Vorerkrankungen? Ab 18 Jahren steht dir die Untersuchung einmalig zu, ab 35 Jahren dann alle drei Jahre. Hintergrund ist, dass chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen auch schon in jüngeren Jahren entstehen können, oft unbemerkt.
Zum Check-up gehören ein ausführliches Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt, eine körperliche Untersuchung, eine Blutdruckmessung sowie Blut- und Urinproben zur Überprüfung von Blutzucker, Blutfettwerten und Nierenfunktion. Seit 2022 ist außerdem ein einmaliger Test auf Hepatitis B und C Teil des Check-ups. Die Untersuchung zielt darauf ab, neben Diabetes auch Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen sowie unentdeckte Infektionen frühzeitig zu erkennen – denn Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland nach wie vor die häufigste Todesursache, und etwa jeder zehnte Erwachsene ist von Diabetes betroffen.
Fallen bei der Untersuchung Auffälligkeiten auf, bespricht deine Ärztin oder dein Arzt mit dir die nächsten Schritte – das kann eine weiterführende Diagnostik bei einer Spezialistin oder einem Spezialisten sein oder auch eine Anpassung des Lebensstils. Der Check-up ist also nicht nur Screening, sondern auch Ausgangspunkt für eine individuelle Gesundheitsberatung.
Wie funktioniert das Hautkrebs-Screening?
Hautkrebs ist die häufigste Krebsart in Deutschland. Das Screening ist deshalb eine der wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen überhaupt: Die Hautärztin oder der Hautarzt untersucht dabei die gesamte Körperoberfläche, einschließlich Kopfhaut, Fußsohlen, Zehenzwischenräume und Genitalbereich. Entdecken sie auffällige Hautveränderungen oder Leberflecken, können sie diese mit einer Auflichtmikroskopie vergrößert betrachten und genauer beurteilen. Gesetzlich Versicherte haben ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf das Screening. Versicherte der AOK Rheinland/Hamburg profitieren von einer besonderen Zusatzleistung: Die Krankenkasse übernimmt die Kosten bereits ab 18 Jahren. Ohne konkreten Verdacht oder außerhalb des Screenings bieten Praxen die Auflichtmikroskopie teilweise als individuelle Gesundheitsleistung bzw. als Selbstzahlerleistung an.
Zwischen den Terminen lohnt es sich, die Haut regelmäßig selbst zu kontrollieren. Die sogenannte ABCDE-Regel hilft dabei, verdächtige Veränderungen bei Leberflecken einzuordnen: Asymmetrie, unregelmäßige Begrenzung, uneinheitliche Farbgebung, Durchmesser über fünf Millimeter und Erhabenheit sind Merkmale, bei denen du zeitnah eine Praxis aufsuchen solltest.
Was wird bei der Prostatakrebs-Früherkennung untersucht?
Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland – gleichzeitig ist er bei früher Entdeckung in vielen Fällen gut behandelbar. Männer ab 45 Jahren haben daher einmal jährlich Anspruch auf eine urologische Früherkennungsuntersuchung. Neben der Prostata werden in der Hausarzt- oder urologischen Praxis auch die äußeren Genitalien und die Harnorgane untersucht.
Die Ärztin oder der Arzt tastet die Prostata über den Enddarm ab (digitale rektale Untersuchung). Ergibt sich dabei ein auffälliger Befund, folgen weiterführende Untersuchungen. Viele Urologinnen und Urologen bieten zusätzlich eine Bestimmung des PSA-Wertes (Prostata-spezifisches Antigen) im Blut an. Dieser Test ist in der Regel eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Ob der Test für dich sinnvoll ist, hängt von individuellen Faktoren ab, allen voran eine etwaige familiäre Vorbelastung.
Das lässt sich am besten direkt mit der urologischen Praxis besprechen – wer eine familiäre Vorbelastung hat, etwa weil Vater oder Bruder an Prostatakrebs erkrankt sind, kann mit der Früherkennungsuntersuchung auch vor dem 45. Lebensjahr beginnen.
Was steckt hinter der Darmkrebsfrüherkennung?
Früh erkannt ist Darmkrebs in vielen Fällen gut behandelbar – das macht die Früherkennungsuntersuchung zu einer der wirkungsvollsten Vorsorgemaßnahmen überhaupt. Frauen und Männer haben ab 50 Jahren Anspruch auf und die Wahl zwischen diese beiden Methoden: den Stuhltest oder die Darmspiegelung (Koloskopie). Die Kassenärztliche Vereinigung lädt dich automatisch per Post zur Darmkrebsvorsorge ein.
Den Stuhltest (iFOBT), den du vom Hausarzt erhältst, nutzt du zu Hause: Du entnimmst eine kleine Stuhlprobe, die wieder in der Praxis abgegeben und im Labor auf verstecktes Blut analysiert wird. Diesen Test kannst du alle zwei Jahre durchführen. Er ist ein niedrigschwelliger Einstieg – besonders wenn du Bedenken gegenüber einer Darmspiegelung hast. Allerdings entgehen ihm manchmal erste Anzeichen von Darmkrebs, oder er weist fälschlicherweise auf Darmkrebs hin. Gut zu wissen: Fällt er auffällig aus, folgt eine Koloskopie zur weiteren Abklärung.
Die Koloskopie (Darmspiegelung) ist die gründlichere Option: Die Fachärztin oder der Facharzt (in der Regel für Innere Medizin oder Gastroenterologie) betrachtet den Darm von innen und kann dabei entdeckte Polypen oder verdächtige Schleimhautstellen direkt entfernen, bevor sie sich zu Krebs entwickeln können. Vorbereitend nimmst du ein Abführmittel, durch das sich der Darm vollständig entleert. Die Untersuchung ist zweimal im Abstand von zehn Jahren vorgesehen, risikoarm und in der Regel unter leichter Sedierung durchführbar.
Bei familiärer Vorbelastung – etwa, wenn ein Elternteil oder Geschwister an Darmkrebs erkrankt sind – empfiehlt die S3-Leitlinie, die Vorsorge zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des jüngsten betroffenen Verwandten zu beginnen, mindestens aber ab 40 bis 45 Jahren. Sprich das aktiv in deiner Hausarztpraxis an.
Was ist ein Bauchaortenaneurysma – und warum ist die Früherkennung wichtig?
Ein Bauchaortenaneurysma ist eine sackartige Erweiterung der Hauptschlagader im Bauchraum. Die Gefahr: Weitet es sich aus, kann es reißen – mit lebensbedrohlichen Folgen. Problematisch ist, dass die Veränderung in den meisten Fällen keinerlei Symptome verursacht und daher ohne gezielte Untersuchung unentdeckt bleibt. Männer sind weitaus häufiger davon betroffen als Frauen.
Deshalb haben Männer ab 65 Jahren einmalig Anspruch auf eine Früherkennungsuntersuchung per Ultraschall, die in der Regel bei der Hausärztin oder dem Hausarzt stattfindet. Die Untersuchung ist schmerzlos und dauert nur wenige Minuten. Bei einem Befund folgen je nach Größe regelmäßige Kontrollen oder eine operative Behandlung.
Besonders gefährdet sind Männer, die rauchen oder geraucht haben, an Bluthochdruck leiden oder eine familiäre Vorbelastung für Aortenaneurysmen haben. Auch Arteriosklerose gilt als relevanter Risikofaktor. Wer diese Risikofaktoren kennt, hat zusätzlichen Grund, die Früherkennungsuntersuchung wahrzunehmen.
Was passiert bei der Früherkennung von Lungenkrebs?
Lungenkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland und wird meist bei Älteren festgestellt. Da er anfangs meist kaum Beschwerden verursacht, werden Symptome wie Brust- oder Schulterschmerzen, wiederkehrende Infekte, Blut im Auswurf, Atemwegsbeschwerden oder Heiserkeit bei Risikopersonen (ehemalige oder aktive Raucher) leicht übersehen oder anders gedeutet.
Das Lungenkrebs-Screening kann Tumoren in einem frühen, noch operablen Stadium entdecken und so die Heilungschancen immens verbessern. Die Früherkennung für aktive und ehemals starke Raucher zwischen 50 und 75 Jahren wird mit einer Niedrigdosis-Computertomographie (NDCT) durchgeführt. Um für die Untersuchung infrage zu kommen, müssen Männer außerdem:
- mindestens 25 Jahre lang geraucht haben. In dieser Zeit dürfen sie nicht länger als 10 Jahre pausiert haben.
- mindestens 15 Packungsjahre angeben können: Die Packungsjahre ergeben sich aus der Anzahl der insgesamt gerauchten Jahre, multipliziert mit der Anzahl der Packungen, die im Durchschnitt pro Tag geraucht wurden.
Ein Beispiel: 8 Jahre mal 2 Packungen/Tag = 16 Packungsjahre - in den vergangenen 12 Monaten an keiner CT-Untersuchung zu Lungenkrebs teilgenommen haben.
- Die Person ist gesundheitlich in der Lage, an der Untersuchung teilzunehmen.
Gesetzliche Versicherte, die die Kriterien erfüllen, können bei einem unauffälligen Befund alle zwölf Monate eine Niedrigdosis-CT zur Früherkennung von Lungenkrebs durchführen. Die Kosten trägt die gesetzliche Krankenkasse.
Was können Männer selbst tun?
Hodenkrebs ist insgesamt selten, bei Männern zwischen 20 und 45 Jahren aber die häufigste Krebserkrankung. Da es dafür keine gesetzliche Früherkennungsuntersuchung gibt, ist die monatliche Selbstuntersuchung umso wichtiger. Am besten funktioniert sie nach einem warmen Bad oder einer warmen Dusche, wenn die Muskulatur entspannt ist: Nimm jeden Hoden einzeln zwischen Daumen und Zeigefinger und taste sie vorsichtig ab. Achte auf Verhärtungen, Größenveränderungen oder Druckschmerz. Auffälligkeiten solltest du zeitnah urologisch abklären lassen, auch wenn die meisten gutartig sind.
Darüber hinaus gibt es weitere einfache Maßnahmen, die sinnvoll ergänzen, was die Vorsorgeuntersuchungen leisten:
- Impfschutz prüfen: Frische die Tetanus- und Influenza-Impfung regelmäßig auf. Für Jungen vor dem 18. Geburtstag übernimmt die gesetzliche Krankenkasse außerdem die HPV-Impfung (Humane Papillomviren), die vor bestimmten Krebsarten schützt.
- Blutdruck selbst messen: Bluthochdruck verursacht lange keine Symptome – ein einfaches Blutdruckmessgerät für zu Hause oder ein kurzer Check in der Apotheke können helfen, Veränderungen früh zu bemerken.
- Regelmäßige Termine bei der Zahnärztin oder beim Zahnarzt: Zwischen Parodontitis und Herzerkrankungen besteht ein wissenschaftlich belegter Zusammenhang (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie). Regelmäßige Zahnarztbesuche sind deshalb nicht nur für die Mundgesundheit relevant.
- Der beste Schutz vor Lungenkrebs ist: nicht zu rauchen.
Fazit
Vorsorge ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein fortlaufender Prozess – und einer, den die gesetzliche Krankenversicherung in weiten Teilen kostenfrei absichert. Wer weiß, welche Untersuchungen ihm ab welchem Alter zustehen, und diese Termine konsequent wahrnimmt, erhöht die Chance, ernsthafte Erkrankungen früh zu erkennen.
FAQ
Welche Vorsorgeuntersuchungen zahlt die Krankenkasse für Männer?
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt den Gesundheits-Check-up (ab 18 einmalig, ab 35 alle drei Jahre), das Hautkrebs-Screening (ab 35 alle zwei Jahre), die Prostatakrebs-Früherkennung (ab 45 jährlich), die Darmkrebsfrüherkennung (ab 50) sowie die einmalige Ultraschalluntersuchung auf ein Bauchaortenaneurysma (ab 65).
Ab welchem Alter sollte ein Mann zur Vorsorge gehen?
Ab 18 Jahren steht allen gesetzlich Versicherten der erste Gesundheits-Check-up beim Hausarzt zu. Ab 35 folgt er alle drei Jahre, und ab 35 kommt das Hautkrebs-Screening hinzu. Für Männer ist ab 45 die jährliche Prostatakrebs-Früherkennung beim Urologen sinnvoll, ab 50 die Darmkrebsvorsorge. Wer eine familiäre Vorbelastung hat, sollte mit der jeweiligen Untersuchung ggf. früher beginnen.
Was passiert bei der urologischen Vorsorgeuntersuchung?
Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten. Der Arzt oder die Ärztin tastet zunächst die äußeren Genitalien ab und untersucht dann die Prostata über den Enddarm mit einem Finger. Das klingt unangenehm, ist aber in der Regel schmerzfrei. Werden Auffälligkeiten festgestellt, folgen weiterführende Untersuchungen. Zusätzlich kann ein PSA-Test gemacht werden, der jedoch als Individuelle Gesundheitsleistung selbst bezahlt werden muss.
Was tun, wenn in der Familie Krebs vorkommt?
Eine familiäre Vorbelastung erhöht das persönliche Erkrankungsrisiko – bei Prostatakrebs etwa, wenn Vater oder Bruder betroffen sind, bei Darmkrebs, wenn Verwandte ersten Grades erkrankt sind. In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, früher mit der Vorsorge zu beginnen, als das Standardprogramm vorsieht. Sprich das aktiv bei deiner Hausarztpraxis oder beim Urologen an – die Krankenkasse übernimmt in bestimmten Fällen die Kosten auch vor dem regulären Einstiegsalter.
Wie funktioniert die Hodenkrebs-Selbstuntersuchung?
Am besten nach einem warmen Bad oder einer Dusche, wenn die Muskulatur entspannt ist: Jeden Hoden einzeln zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen und vorsichtig abtasten. Achte auf Verhärtungen, Größenveränderungen oder Druckschmerz. Bei Auffälligkeiten zeitnah eine urologische Praxis aufsuchen – die meisten Befunde sind gutartig, sollten aber abgeklärt werden.
Dieser Artikel ist kein Ersatz für eine ärztliche Beratung. Frage deine Ärztin, deinen Arzt oder die medizinischen Expertinnen und Experten von AOK-Clarimedis unter 0800 1 265 265.

